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          Schizophrenie                 Schizophrenie, Geschichte und Zahlen

                                Geschichte:

Schizophrenie ist die Psychose schlechthin und begleitet uns durch die gesamte Geschichte:
Früher wurde Sie oftmals mit dem Wort Wahnsinn beschrieben.
Bereits Hippokrates hielt sie für eine Form des geistigen Verfalls, begründet in einem Ungleichgewicht der Körpersäfte. Der römische Arzt van Galen bezeichnete sie mit “dementia”

1865 prägte der belgische Psychiater Benedict Morel den Namen “demence precoc” (Jugendirresein) für einen 14 jähr.Jungen, der Symptome wie Apathie, emotionale Labilität, Rückzug und Mutismus (Wortkargheit,Nichtsprechenwollen) aufwies.

Die typischen Symptome einer Schizophrenie sind:
Wahn, Halluzinationen, psychomotorische Störungen, affektive Störungen, formale Denkstörungen, Ich-Störungen, verändertes Sozialverhalten,

1898 führte Emil Kraepelin den Begriff des”Dementia praecox” (vorzeitige Verblödung) für diese Symptomgruppe ein.
Wenn auch der Name nicht dem Wesen der Krankheit entspricht (Schizophrene haben eine durchaus normale Intelligenz, Schizophrenie hat nichts mit “Blödsein” zu tun. Bei längeren Krankheitsverläufen können ihre kognitiven Fähigkeiten aber naturgemäss beeinträchtigt werden.),basieren die heutigen Diagnoseverfahren im Grundsatz noch auf seinem Ansatz sowie den Ausführungen Bleulers und Schneiders

Der schweizer Psychiater Eugen Bleuler prägte 1911 den Namen Schizophrenie (Bewusstseinsspaltung) .
Spaltung bedeutet hierbei Rückzug von der Realität, Zerfall der Denkprozesse und Zerrissenheit von Persönlichkeit, Denken, Wollen und Fühlen. Die Grenzen zwischen der Persönlichkeit des Erkrankten und der Umwelt verschwimmen.
Die seltenen Fälle, in denen ein Patient mehrere Personen gleichzeitig verkörpert, hin und hergerissen ist zwischen mehreren Identitäten, fallen nicht in diesen Bereich.
Hier spricht man von multiplen Persönlichkeiten)

Bleuler unterschied in Grund- und akzessorische Symptome, wobei die Grundsymptome typisch für
die Schizophrenie sind, während die akzessorischen auch bei anderen Psychosen vorkommen.

Grundsymptome: Störung von .....

akzessorische Symptome

formalem Denken (verlangsamt,zusammenhanglos zerfahren,gehemmt,umständliches Denken)

Wahrnehmungsstörungen (Halluzinationen)

Antrieb (Mangel an Interesse,Antrieb,Energie,Willen)

inhaltliche Denkstörungen (Wahn)

Affektivität (reduzierte, unnatürliche, inadäquate Emotionen,instabile Simmungslage, unmotivierteAngst,Wut,Gefühlsverarmung)
Ambivalenz (Nebeneinander sich widersprechender Gefühle)

Katatone Störungen    (Störungen der Motorik,Erstarrung,
Mutismus(Nicht-Sprechen), Bewegungsstereotypien

Ich-Störungen: schizophrener Autismus(Rückzug aus der Wirklichkeit), Gefühle des von aussen Gemachten, Auseinanderfallen von Denken,Handeln,Fühlen,Wollen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 1931 führte Kurt Schneider ein weiteres Diagnosemodell ein. Bei ihm standen vorwiegend die Wahn/Wahrnehmungsstörungen im Vordergrund. Er unterschied Symptome 1. und 2.Ranges sowie schizophrene Ausdrucksstörungen.
Nach seiner Lehre liegt bei Ausschluss einer sonstigen Grundkrankheit Schizophrenie vor,  wenn mindestens ein Symptom ersten Ranges oder ein gehäuftes Auftreten von Symptomen zweiten Ranges auftritt.

 

Symptome 1.Ranges

Symptome 2.Ranges

Wahrnehmungsstörungen

dialogische,befehlende,
kommentierende Stimmen

Halluzinationen: Geschmack,optisch,Geruch

 

Gedankenlautwerden  (die eigenen Gedanken laut hören)

 

 

Leibhalluzinationen (Elektrisierung,Bestrahlung von aussen)

Zönästhesien (Leibmisempfindungen,nicht von aussen gemacht-als ob Wasser über den Rücken läuft,wie aus Stein sein)

Schizophrene Ich-Störungen:

Gedankeneingebung (Gedanken werden von aussen eingetrichtert)

 

 

Gedankenentzug (Gedanken werden von aussen entzogen)

 

 

Gedankenausbreitung (Alle lesen meine Gedanken)

 

 

Willensbeeinflussung

 

inhaltliche Denkstörungen

Wahnwahrnehmung (Verkennung von Personen und Erleben,Fehlinterpretationen der Realität)

Wahneinfall (Ich bin Napoleon)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

schizophrene Ausdrucksstörungen:

 

formale Denkstörungen

verlangsamt, zerfahren, zusammenhanglos, ...

katatone Symptome

motorische Störungen

Affekt u. Kontaktstörungen

 

Ausdrucksstörungen im engeren Sinne

Störungen von Psychomotorik,Mimik, verschrobener,fremdartiker Sprachstil, Wortfindungen,Grimassieren

 

 

 

 

 

Für eine Gruppe von Erkrankten mit leichteren schizophrenieähnlichen Symptomen wurde der Begriff schizoid eingeführt. Man ging zuerst davon aus, das diese Störung eine Vorstufe zur manifesten Schizophrenie ist. Dies konnte aber nicht bestätigt werden.
Kretschmer fand innerhalb diese Gruppe zwei verschiedene Persönlichkeitstypen:

1) Personen mit anästhetischen Eigenschaften:
kühl, abweisend, scheu, passiv, sozial zurückgezogen

2) Personen mit hyperästethischen Eigenschaften:
reizbar, überempfindlich, launisch, schroff, abweisend, impulsiv

Die erste Gruppe war weniger anfällig für eine schizophrene Manifestation, während es bei der zweiten häufiger zum Ausbruch der Schizophrenie zu kommen schien.

Nachdem der Begriff schizoid von der Schizophrenie abgetrennt wurde als eigenständige schizoide Persönlichkeitsstörung ,beschäftigte sich Rado 1953 wieder mit dem Thema des schizophrenen Genotyps, d.h.Personen, die anfälliger für den Ausbruch einer Schizophrenie sind. Daraus entwickelte sich der Begriff der schizotypen Störung, aus der sich nach heutiger Sicht eine Schizophrenie entwickeln kann.

In den 50er Jahren bemerkte man viele Patienten mit wechselnden Symptomen; psychotisches Erleben, launenhaft, impulsiv, keine Gedanken um Konsequenzen von Handeln, fehlendes Realitätsprüfungsvermögen, schizoide Symptome. Borderline-Cases - Grenzgänger (auf der Grenze zur Schizophrenie)
Auch diese wurden zuerst in die Nähe der Schizophrenie gestellt, Borderline wird aber heute auch als eigenständige Persönlichkeitsstörung angesehen.

Die Geschichte der Schizophrenie ist lang und kompliziert und es gibt immer noch genauso viele Fragen wie Antworten.Es wird von einigen Fachleuten auch die Ansicht vertreten, das Schizophrenie eine uneinheitliche Gruppe verschiedener Krankheiten ist mit unterschiedlichen Symptomgruppen.
Es gibt kein ausschliesslich für die Schizophrenie typisches Symptom, die Kombination mehrerer Faktoren ist entscheidend.
Wahn, Affektivitätsstörungen, Paranoide Erscheinungen, Angst, sozialer Rückzug sind Erscheinungen, die auch bei anderen Erkrankungen oder alleine auftreten können.
Wegen der Nähe zu den affektiven Störungen (Depression, Manie) wurde auch der Begriff der schizoaffektiven Störung eingeführt:
Hier treten für beide Krankheiten typische Symptome auf.

                                 Schizophrenie in Zahlen:

Schizoprenien stellen eine der häufigsten Psychoseformen dar und sind eigentlich keine seltene
Krankheit.
Etwa jeder Hundertste erkrankt einmal im Leben an ihr, Frauen und Männer sind gleichermassen betroffen.

Die meisten Menschen erkranken an ihr zwischen der Pubertät und dem 35. Lebensjahr.

Alter bei Erstmanifestation:

- vor dem 14. Lebensjahr: ca. 2%

- zw. Pubertät und 30. Lebensjahr. ca. 50%

- zw. 30. und 40. Lebensjahr: ca. 25.%

  ab 40 :Spätschizophrenien

  ab 60: Altersschizophrenien

Dabei erkranken Frauen im Durchschnitt etwas früher und haben eine bessere Langzeitprognose.
Schizophrenien bei Kinder sind sehr selten und und erst ab dem 12.Lebensjahr nimmt ihre Auftretenswahrscheinlichkeit zu.
Schizophrenien bei Kindern werden in der Regel erst diagnostiziert, wenn eine gewisse Denkreife gegeben ist und das “Magische Denken” voll entwickelt bzw. abgeschlossen ist.
Magisches Denken: Hierunter versteht man die Ausprägung der Phantasie, die Entwicklung der Vorstellungskraft, die Fähigkeit, eigene Ideen zu entwickeln. Dazu gehört das Entlanglaufen auf der Bürgersteigkante, den Wolken Namen zu geben oder in Ihnen Figuren zu erkennen und der Glaube, mit Zaubersprüchen die Welt verändern zu können.
Bis etwa zum 7 Lebensjahr tendiert man eher dazu, frühkindlichen Autismus anzunehmen.
Schizophrenie im frühen Kindesalter ist äusserst selten zu diagnostizieren.

Schätzungen zufolge nehmen sich etwa 10 - 15 Prozent der Erkrankten das Leben.
Etwa ein Drittel der Erkrankungen heilt folgenlos aus, bei einem weiteren Drittel kommt es nach Monaten oder Jahren zu erneuten Symptomen.
Widerum etwa ein Drittel der Erkrankten ist auf die längerfristige Inanspruchahme stationärer Behandlungen oder sonstiger psychosozialen Einrichtungen angewiesen und die Krankheitssymptome können im Verlauf an Schwere zunehmen.

Ca. 50 % der Betroffenen haben einen ungünstigen Verlauf mit Rückfällen und chronisch
verbleibenden Symptomen sowie Störungen der sozialen Integration.

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