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Ergotherapie: Arbeits- u. Beschäftigungstherapie

Nicht einfach aktivieren, sondern unterstützen, selbst aktiv zu werden

Der Begriff Ergotherapie entstammt dem griech. “ergon”, was Werk, Beschäftigung, Verrichtung bedeutet. Unter diesem Begriff ist eine Vielzahl therapeutischer Massnahmen gebündelt, die nicht nur speziell im Bereich psychischer Erkrankungen angewandt werden. Vielmehr gehört die Ergotherapie wie z.B. die Physiotherapie zu den medizinischen Heilberufen und wird in zahlreichen Bereichen eingesetzt: z.B. Geriatrie, Behindertenwerkstätten, Sonderschulen, Rehabilitationseinrichtungen, Suchtkliniken, Pädiatrie und eben auch der Psychiatrie.
Therapieziel ist es, Menschen mit gestörten motorischen, psychischen, kognitiven und sensorischen Fähigkeiten soviel körperliche, geistige und soziale Selbstständigkeit, Handlungskompetenz und Eigenaktivität wie möglich zurückzugeben, gestörte Körperfunktionen wieder zu aktivieren. Schon die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten weisen auf die Vielfältigkeit der unter diesem Begriff zusammengefassten Massnahmen hin. Im Vordergrund stehen körperliche, künstlerische oder handwerkliche Tätigkeiten und das (Wieder)erlernen alltäglicher Verrichtungen wie z.B. Waschen, Einkaufen, Tagesplanung etc. bis hin zur Hilfe bei der beruflichen Wiedereingliederung. Grob unterteilt wird noch einmal in die Bereiche:

Beschäftigungstherapie:

Sie wird meist in Gruppen von bis zu 15 Patienten durchgeführt, aber auch Einzeltherapien können sinnvoll sein. Es werden Tätigkeiten im künstlerisch/kreativ/handwerklichen Bereich durchgeführt. Ebenso fallen in diesen Bereich Übungen zur Stärkung der kognitiven Fähigkeiten ( Wahrnehmung, Denken, Erinnern, Erkennen)  und zur Lebens- und Haushaltsführung
Beschäftigungstherapie soll
-das Selbstvertrauen stärken
-Ausdauer und Durchsetzungsvermögen trainieren
-die Fähigkeit zur Kommunikation/Kooperation fördern
-den Antrieb stärken
-kognitive Fähigkeiten verbessern

Dabei werden die Patienten nur einem geringen Leistungs- oder Belastungsdruck ausgesetzt, besondere Bedingungen an die Leistungsfähigkeit sind nicht vorgegeben.

Arbeitstherapie:

Hier liegt der Schwerpunkt in der Vorbereitung auf die berufliche Integration, sei es die Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit, der Eintritt in eine Behindertenwerkstatt oder berufsfördernde Massnahmen.  Ziele sind die Stärkung von
Ausdauer, Belastbarkeit (körperlich und psychisch), Durchhaltevermögen
Pünklichkeit, Zeiteinteilung, Sorgfalt


Flexibilität, Entscheidungsfähigkeit  etc.

Dies geschieht zum Beispiel im Rahmen eines Praktikums oder der einfachen Arbeit in einer Werkstatt. Unter praxisnahen Bedingungen erfolgt die Förderung und Belastbarkeitsprüfung des Patienten.

                                           Anwendungsbeispiele:

-motorisch funktionelle Störungen:
Förderung der Feinmotorik und Koordination , gezielte Beeinflussung von Bewegungs- und Handlungsabläufen z.B. nach dem Bobath-Konzept.

Exkurs Bobath: Das Bobath-Konzept basiert auf der lebenslangen Fähigkeit des Nervensystems, sich Reizen durch Strukturänderung anzupassen (Plastizität des Nervensystems, Neuroplastizität). Durch spezielle Arten der Lagerung, der Bewegung des Patienten innerhalb und ausserhalb des Bettes (Handling) und der Anleitung bei allen Lebensaktivitäten , wie z. B. Körperpflege, Essen und Trinken und An- und Auskleiden wird diese Lernfähigkeit im Alltag des Betroffenen ausgenutzt. Dem Nervensystem werden wiederholt richtige Lernangebote als Stimulation entgegengebracht.
Der Alltag des Betroffenen wird so zur Therapie.
Arbeitsprinzipien des Bobath-Konzeptes sind die Erarbeitung eines angepassten Muskeltonus, die Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe und die Verbesserung der Körper-Wahrnehmung

Sensibilitätstraining:
Training von Oberflächen-/Tiefensensibilität, Temperaturempfinden oder gezielte Dosierung von Kraft. Beispiele sind das Arbeiten mit Therapieknete, Sand, Steckspielen, Paraffinbädern.

neuropsychologisches Training:
Diagnostik und Therapie von Störungen der Orientierung (Raum,Zeit,Personen), Konzentration, Gedächtnis.
Hierzu gehört auch die Behandlung von Störungen des emotionalen Verhaltens und die Krankheitsverarbeitung.
Die Therapie erfolgt über praktische, auf die Störung bezogene Übungen wie z.B. Memory, Nacherzählen von Geschichten oder Zeitungsartikeln, Übungen zum Lese-Sinn-Verständnis, Erstellen von Tagesplanungen, Konzentrationsübungen o.Ä. Diese Übungen können auch am Computer erfolgen.

Wahrnehmungstraining:
Vorbereitung von Patienten mit Wahrnehmungsstörungen auf Alltagssituationen,
Exkurs Affolter-Konzept: Frau Felicie Affolter, Schülerin des Entwicklungspsychologen Piaget, entwickelte ihr Konzept während ihrer jahrelangen Arbeit mit wahrnehmungsgestörten Kindern. Im Mittelpunkt ihres Konzeptes steht die taktil-kinästhetische und propriozeptive Wahrnehmung, d.h. der Tastsinn, die qualitative Wahrnehmung der Bewegung und das Empfinden für Bewegung, Lage und Vibration des Körpers. 
In der Praxis heisst das: Handlungsabläufe, die von Patienten mit Wahrnehmungsproblemen nicht ausführbar sind, werden gemeinsam mit dem Therapeuten ausgeführt. Dadurch werden alltägliche Handlungsabläufe wieder erfahren, begriffen, spürbar, vertrauter; selbständiges Handeln wird möglich und ein Lernprozess beginnt. Durch diese geführten Interaktionserfahrungen werden motorische, kognitive und emotionale Leistungen gefördert.

Handwerkliches Arbeiten:
Kreatives Gestalten unterschiedlichster Art, therapeutisch ausgesucht nach Art der Erkrankung: Tonarbeiten, Seidenmalerei, Korbflechten, Kerzenziehen, Holzarbeiten und Vieles mehr. Neben dem Training der Fein- und Grobmotorik Förderung der Kreativität, Erkennen von Grenzen aber auch Fähigkeiten.

Beratung bezgl. Hilfsmittel:
Beratung und Besorgung von Hilfsmitteln aller Art zur Erleichterung der Lebensführung. Z.B. auch Beratung bei baulichen Veränderungen der Wohnung, Lösung praktischer Probleme im häuslichen Umfeld. Dabei sollen auch durch Krankheit oder Behinderung verursachte Beeinträchtigungen, die nicht über die Therapie behandelt werden können, durch entsprechende Hilfsmittel soweit wie möglich kompensiert werden.

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Im Vordergrund der Ergotherapie steht also scheinbar nicht die psychische Arbeit, sondern vielmehr die körperlich/spielerisch/kreative Beschäftigung natürlich mit dem Sinn, auch die Psyche zu stärken, vor allem bei psych. Erkrankungen.
Dabei ist Sinn der Therapie natürlich nicht das “gebastelte Körbchen”, sondern die damit verbundenen Erfahrungen: Was kann ich (nicht) - wo liegen meine Grenzen, Interessen, Fähigkeiten - wie gehe ich mit Fehlern um - kann ich in der Gruppe arbeiten - wie reagiere ich auf Druck, wie, wann, warum setze ich mich selber unter Druck - Arbeitsverhalten, Arbeitsmethodik - wie gehe ich mit Erfolg/Misserfolg um - welche Gefühle entwickeln sich und wie gehe ich mit ihnen um-  etc.
In praktischen Situationen kann die Ergotherapie somit vorbereiten auf den Ernstfall Leben, vorbereiten auf die soziale, familiäre und berufliche Wiedereingliederung. Sie vermittelt Erfahrungen über die eigenen Grenzen und Fähigkeiten, soll Selbstbewusstsein und Selbstaktivität fördern.
Dabei sollte der Therapeut nicht vorschreiben, sondern nur anleiten, den Patienten unterstützen bei der Entwicklung eigener Aktivität. Es macht wenig Sinn, wenn persönliche Fortschritte vom Patienten nur dem Therapeuten zugeschrieben werden und nicht als eigene Erfolge angesehen werden. Wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Ergotherapie ist ernsthaftes Interesse des Patienten an der (Wieder)erlangung grösstmöglicher Selbständigkeit und Eigenaktivität.

Anwendung findet Ergotherapie im psychischen Bereich z.B. bei schizophrenen Psychosen zur gezielten Behandlung der typischen Minussymptomatik und als Wiedereingliederungshilfe in das soziale/familiäre /berufliche Umfeld. Weitere Einsatzbereiche können z.B. sein:
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Depressionen, affektive Störungen, dementielle Syndrome, Lernstörungen, Alkohol-, Drogen-, Medikamenten- und Spielsucht, Essstörungen.

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